Sylvia Geist



 Festeinband, 140 Seiten
, 16,50 EUR


Vor dem Wetter. Gedichte

Luftschacht Verlag, Wien 2009


Aus dem Inhalt:


Farvana

Ein Brunnen, drei Bäume,
die tragen. Jeder Stock
meint einen Ziegel, ein Paar
kindlose Schuhe, ein Nest

im windwüsten Ohr. Episteln.
Ohne Antenne versteht sich
der Himmel, ein ferner Verwandter

schickte die Zeitung, das Fleisch
darin, maulquappenschwarz, gehört

geschuppt. Alles Beschriebene nimm
für den Laich. Drei Bäume,
die tragen. Eine Mispelfrucht
grünt. Ein Paar standhafter Schuhe.






131 Seiten, Festeinban

Letzte Freunde. Erzählungen

Luftschacht Verlag, Wien 2011

"Vier Sekunden, fünf, sechs, ein Strom an Zeit, Zeit für ihre Finger, den hölzernen Stiel zu packen, für die Muskeln in ihren Armen und Schultern, die Axt emporzutreiben in den staubig-golden flimmernden Raum über ihrem Kopf, für die Sehnen in ihrem linken Bein, zur Drehung anzusetzen und die runde, fast tänzerische Bewegung zu vollenden, in eben dem Moment, da er über sie kommt, heranfliegend, wie liegend in der, auf der Luft, als spielte er noch einmal mit ihr, Lauf gegen Arm, Pfote gegen Hand, Fell gegen Haut, Knochen gegen Holz, gegen Eisen, Auge in Auge."


Ein Altenpfleger verhilft mit verbotenen Substanzen einer alleinstehenden Rentnerin zu ein wenig Glück; eine Frau steht vor der Entscheidung zwischen ihrem Mann und einem Hund, der ihr in einer sich beängstigend rasch verändernden Umgebung Schutz zu bieten scheint; eine Millionärin nimmt eine Geisel, um Rechenschaft für den an ihr begangenen Verrat zu fordern: Befremdlich und unerwartet sind die Begegnungen, von denen die Geschichten erzählen, zufällig, grotesk und gefährlich. Bruchstückhaft setzen sich die Biografien von Menschen zusammen, zersetzt vom Verlust der Vergangenheit und dem drohenden Kommenden, bis an den Punkt, an dem der Mut zu jener Nähe da ist, die nur unter Freunden möglich scheint.

"Durch ihre sprechenden Bilder entwickeln Sylvia Geists "Letzte Freunde" ein Eigenleben, sei es im südafrikanischen Colesberg oder auf märkischem Sand. Für ihre Leser sind es Reisen mit hohem poetischen Mehrwert."                                                Katrin Hillgruber im Deutschlandfunk





"Einen überbordenden Kosmos
gilt es zu entdecken, satt, voller
sprachlicher Kraft, Schönheit."
      
Saarbrücker Zeitung

 

                                                                                                   Festeinband, 81 Seiten, 14,60 EUR

Der Pfau. Novelle

Luftschacht Verlag, Wien 2008

"Wenn ich an den Tag denke, an dem Lil starb, sehe ich den Pfau vor mir. Er schreitet, den ausgefransten Schwanz über den Asphalt schleppend, aus dem Schatten der Waschanlage hinüber zu den Zapfsäulen und flattert mit zwei, drei geräuschvollen Flügelschlägen zur zweiten von links. Keine Ahnung, warum gerade die es ihm angetan hatte, sie war genau wie die anderen."

Als Schausteller ziehen die Ich-Erzählerin Judith und ihr Großvater Popp nomadengleich durch den Süden, klappern mit ihrer schrulligen Achterbahn einen vorstädtischen Rummelplatz nach dem anderen ab und lassen mit jedem einzelnen Aufbruch vermeintlich alles Vergangene hinter sich. Als sie auf einer Raststätte die junge Lil auflesen und mit auf ihre Tour nehmen, wird ihre Reise zu einer Odyssee mit unerwarteten Folgen. Gestrandet an einer Tankstelle im spanischen Nirgendwo müssen sie sich ihren Ängsten und Sehnsüchten stellen - Popp, auf der Flucht vor dem geschäftlichen Ruin, träumt vom Soul Lifter, einer Achterbahn der Superlative. Lil, auf der Flucht vor ihrem Mann, träumt von einem neuen Leben mit dem Tankstellenpächter Daniel. Judith träumt von Lil.

"Mit Sylvia Geist, die sich als Lyrikerin schon auffällig verhalten hat, lernen wir eine großartige Prosaautorin kennen. Mit dem Buch "Der Pfau" legt sie eine klassische Novelle vor.
Eine Novelle ist, das wissen wir aus dem Seminar, zuerst einmal ein formales Problem. Sie gehorcht strengen Regeln, ist die ideale ästhetische Schule für eine Zeit, in der die Beliebigkeit in der Prosaliteratur zur Normalität geworden ist. Auf knappem Raum entwickelt Sylvia Geist eine Geschichte, die in einem unerhörten Ereignis kulminiert. Im Text sind Motive ausgelegt, die kunstvoll miteinander verwoben sind, eine prägende Idee stiftet jene Einheit, unter der jede Einzelheit Sinn macht."                                                                                     Anton Thuswaldner im Deutschlandfunk

 

Mitlesebuch. Gedichte

Aphaia Verlag, Berlin 2006


Aus dem Inhalt:


Kalium

augen zu
im schlaf die lücken memorieren - "wüsstest nicht aber
hättest nicht du glichest" - bis sie entfallen. abermaliges
aber

witziges spiel
wieder die geschicke der hände: haushalten mit wasser
und gleitzeit ihre gerechte verteilung auf abschiede. reinigungskräfte.
zählwerke.

was fehlt
sind verluste der appetit angeschlagener gefäße auf aschen
wucher mit glimmer galliger krume nochmals land pflanzen
wollen

neue parzellen
der urne fürs schwächelnde herz. das zitiert nichts
als sich. schnürt. zunge um zunge. bleibt flüchtiger
gelände.

 
 
 Mit Zeichnungen von Michael Blümel

  26 Seiten, Fadenheftung, 8,- EUR

 "...aufmüpfig und fordernd,
trotzend und sperrig"

Arne Rautenberg  in die horen



 

  48 Seiten, Leineneinband, 14,- EUR

"Diese Verse hallen nach."
Am Erker

Morgen Blaues Tier. Gedichte

zu Klampen Verlag, Lüneburg 1997

Aus dem Inhalt:

Aurum

Es liegt
auf den straßen heißt es an den ufern
der flüsse sammeln kinder es schreiend in ihren sieben
      wenn sie nach flachen kieseln suchen der große wurf
gelingt keinem von ihnen nur wenige wissen das
wenige wissen daß eine streunende katze mehr davon
in ihren augen hat und sie darum verbirgt
      schon ihre ahnen verbargen sie weise
götter den schlaf der könige bewachend wie
      das spiel der straßenkinder blind für täuschung frei von
fieber.

Nichteuklidische Reise. Gedichte

Verlag Wilfried M. Bonsack, Berlin 1998 (vergriffen)                                                                                    

Aus dem Inhalt:


nussplay

vogelkehlig geschrotete kälte
abend ist grober rotstich
in die fronten genau
die phase die einen glatt
schmilzt zäh wie das nougat
das du von meiner brust
lecktest die spießruten
im wehrlosen märzfenster
nicht einmal verlachend
so schien hindurch
was mich neben den gleisen hält
die staubige verheißung
des aus dem rahmen reitenden
lucky luke und seine wiederkehr
lichtjahre vom schuss erlegt
der tag sein himmelsfleisch
verstreut hier                     
 

54 Seiten, französische Broschur

"...kein Abschweifen, kein Innehalten"
Tanja Dückers in die horen




last not least:


Die Umgebung des Auges.
8 Gedichte

musilmuseum-literatour-druckwerk,
Klagenfurt/Dornbirn 2004


5 Doppelseiten (Karton) DIN A 4 (handgesetzt)
in einer Mappe

Aus dem Inhalt:

Hai

(aus der Bild-Zeitung vom 27.04.03: "Badegäste lynchen Hai")

Ein Einfall des Lichts
in der Corona der Bucht, ein Magnet, der irrte
Wohlwahn oder im Leib eine arglose Nadel
die es ins Seichte zog, zum Pol

der Laute: Schwimmerschall
ans Firmament schwebende lachende Lote, so
oder anders. Anders:
                                     die Moräne, Tektonik

der Mehrheit, Mütterangst, Kinderwut
adoleszentes Muskelspiel, Wirschwemme
von oben, von hinten, rittlings
Zustoß, Lauffeuer, Antrieb, es gilt

den Kopf, dem Rachen, aufgesperrt
mit der Strebe eines Sonnenschirms
die eigenen Zähne zu zeigen, wir wollen
ja, wollen ja nicht, oder nicht.

Der Bierverkäufer will auch
leben. Nach Ladenschluss
wirft er die Flaschen ins Meer
goldene Bojen.

(aus dem Zyklus "Meldungen und ihre Gedichte")